Ausmisten und die Geschichte der Gitarre

Posted by jens on April 10th, 2008

Eine über hundert Jahre alte Spanische Gitarre hat ihren Weg zu mir gefunden, ein absolut einmaliges Stück. Von den Vorbesitzern konnte ich erfahren, dass es sich um die Gitarre der Jugendliebe der Mutter handelte, welche über fünfzig Jahre im Keller aufbewahrt wurde. Sie wurde in Valencia von Meisterhand zur Jahrhundertwende gebaut, dort wo meine siebenjährige Beziehung vor Jahren mit einem mehr als filmreifen Abschied endete. Ein Gleisende im Bahnhof Valencia, die erste Sonne nach Tagen voll Regen, der verflossenen Liebe Abschied winken und Einsteigen ins Ungewisse. In der fast vollständig leeren Bahn läuft klassische Musik, ein Trauerlied und ich fahre vorbei an Friedhöfen zum Flug nach Deutschland. Von dort hatte die Gitarre ihren Weg nach Wiesbaden gefunden, wo ich sie an einem magischen Sonntag abholte, als ich mich auf dem Weg nach Giessen befand. Wieder in Köln angekommen, fragte ich mich, was wohl diese Liebe verhindert oder beendet haben könnte. Als ich diese Gitarre gestimmt hatte und etwas spielte, konnte ich nicht fassen wie süß sie klang, so voller schöner Stunden die in sie hineingespielt wurden, hörbar nach über fünfzig Jahren im Keller! Wir wissen, alles ist Energie und ich bin sicher selbst Steine können Emotionen speichern und in diesem Holz versteckte sich eine sehr intensive Liebe. Ich fühlte mich in diese Jugendliebe hineinversetzt und dachte letztendlich: Krass, die Frau hatte die ganze Zeit ihre wahre Liebe im Keller versteckt und ein Stockwerk höher eine Familie mit einem anderen Mann aufgezogen, wieso? Erst die Kinder konnten für die Mutter aufräumen als diese gestorben war und sie waren dankbar, dass ich ihren tiefen Wert zu schätzen und ihre Geschichte zu lesen weiss. Ich möchte meinen Keller lieber selber ausräumen. Momentan bin ich dabei die Gitarre zu Restauriern, sie braucht ein neues Griffbrett und neue Bünde und dann wird man sehen was für eine weitere Bestimmung sie findet, ich bin jetzt schon dankbar dass sie mich zumindest besucht hat.

Die meisten von euch wissen, dass nicht nur Gerümpel, leidvolle Andenken, sperrige Souveniers, unangenehme Fotos und all das schwer zu tragen sind und uns von unserem Weg abbringen können, sondern genauso unsauber abgeschlossene Beziehungen, nicht erledigte Aufgaben und unausgesprochene Worte, am allerschlimmsten scheint dabei unausgelebte Liebe zu wirken, die sich in einer Menge alltäglicher Probleme ausdrückt. Wir vergessen nie etwas, wirklich nie und all diese Dinge wirken aus unserem Unterbewusstsein und steuern uns und machen uns eventuell unfrei. So laufen wir wie Roboter durch’s leben und fragen uns warum uns irgendeine Scheisse nach der anderen begegnet, warum wir krank werden, dabei beschwören wir alles was uns widerfährt unterbewusst selbst herauf. Freiheit heisst in diesem Fall frei zu entscheiden was einem das Leben schenkt, was man annimmt und was man anderen gibt. Ich konnte an mir Eigenschaften erkennen, auf die ich loslassen möchte, weil sie einfach nur furchtbar sind, andere Eigenschaften widerum gefallen mir sehr gut und ich nehme sie dankend an. Ich weiss, es gibt nichts schöneres als immer wieder befreit zu sein von den überflüssigen Gewichten und somit sollte alles stets sauber abgeschlossen werden was man Anfängt, Abschied nehmen ist das allerwichtigste, jedem Tod folgt die Widergeburt, die happy! Nicht umsonst bin ich jetzt in Tübingen gelandet, um noch ausstehende Aufgaben zu erledigen die auf meiner zwischendurch völlig ausgeuferten Taskliste stehen. Glaubt mir, wir tragen den Ballast von Jahrhunderten in uns und da Naturvölker wieder mal schlauer sind zelebrieren sie den Einfluss ihrer Ahnen in speziellen Ritualen, um die verdeckten Mächte ins Bewusstsein zu rufen. Ich hab letztens schon viel ausgemistet, aber es steht immer noch Kram bei meinen Eltern rum und in meinem Unterbewusstsein, der jetzt konsequent aussortiert wird bis auf wenige Dinge die man wirklich benützt oder die mit positiven Erinnerungen verbunden sind. Das Ende ist in Sicht und ich freu mich so darauf wieder in die Welt zu ziehen mit leichtem Gepäck und ich wünsche mir dann jemanden an meiner Seite der mich begleitet. Ständig werde ich gerufen und ich bin jedesmal ergriffen davon, was für ein unglaubliches Abenteuer sich in der Welt bietet. Doch bevor die Reise weitergeht, eine ganz wichtige Aufgabe steht noch aus, die vielen Songs die ich geschrieben hab zu beenden und aufzuehmen damit ich meine Schuld einlösen und guten Gewissens starten kann. Ich würd mich freuen wenn Marc, Ashok und Toni dabei sind und Mac und Achim werden sicherlich auch daran beteiligt sein. Dafür möchte ich aber erst noch anderen Krempel beseitigen und beispielsweise die Double J EP releasen.
Danach blebit nur noch zu sagen “herzlich willkomen”. Ich hab aufgehört mir Sorgen zu machen und bin jeden Tag erstaunt in was für einem unfassbaren Überfluss wir leben. Wie gesagt, in Neuseeland hab ich gemerkt wie schnell man vorankommt, wenn man Ballast abwirft, aber das war erst ein kleiner Anfang. Loszulassen tut so gut.

Es geht voran.

Ich liebe euch alle ;)

Cheers

Jenso

Previous Articles

Get it on

Posted by jens on February 19th, 2008

World Citizen Song

Posted by jens on February 18th, 2008

Flashback No.2

Posted by jens on February 1st, 2008

Freakhausen

Posted by jens on January 29th, 2008

Flashback…!

Posted by jens on January 11th, 2008

Bilderchen aus NZ

Posted by jens on January 6th, 2008

Schland….

Posted by jens on December 25th, 2007

Wellington und so weiter

Posted by jens on October 24th, 2007

Bakington sound

Posted by jens on October 7th, 2007
Welcome.

This is a journey to the formation of an international Reggae band. You can support this devellopment of the band by watching, participating, positive thought and simply enjoying life. The past leads the way to the future.

Bless, Jenso